Wie kann ein und derselbe Tag nur so wunderschön und so traurig sein??
Freitag. Tag des Abschieds. Im Gepäck: eine riesige Torte.

Nein, auch nach Dutzenden von Abschieden von liebgewonnenen Freunden gewöhnt man sich überhaupt nicht daran. DAS ist das Einzige, was mir an Costa Rica überhaupt nicht gefällt.
Und an dem Tag war es gleich richtig hart: Der letzte Tag im Kinderhort. Nach 7 Wochen sind mir die kleinen Mäuse richtig ans Herz gewachsen – und ich ihnen wohl irgendwie auch… der kleine Kylor, dem ich die Zahnbürste und –pasta geschenkt habe, wollte sich gar nicht mehr beruhigen. Als er erfahren hat, dass ich nach diesem Tag nicht mehr wiederkomme, hat er ganz herzzerreißend angefangen zu weinen und stundenlang nicht mehr aufgehört. Der kleine Fünfjährige wollte gar nicht mehr von meinem Arm herunter, hat sich mittags nur kurz mit einem Stück Torte ablenken lassen und danach immer wieder angefangen zu weinen.
Dixiana (Lehrerin und liebe Freundin) erklärt mir, dass seine Mom quasi rund um die Uhr arbeitet, um ihn und seine beiden Geschwister durchzubringen. Da bleibt wenig Zeit den Kleinen zu zeigen, wie gern sie sie hat. Naja, und dann käme ich und würde jedem einzelnen der Pänz so viel Aufmerksamkeit schenken, mit ihnen toben, spielen, schmusen, Blödsinn machen und ihnen viel beibringen (nicht nur Unsinn übrigens!). Oh Gott, ich hab mich ganz furchtbar gefühlt, dass ich sie jetzt „einfach zurücklasse“.
Nach dem Unterricht kommen die anderen Lehrerinnen zu mir in den
Klassenraum, eine ganze Schar Kiddies im Gefolge. Jessica fängt kaum an
zu reden, da kullern ihr schon die Tränen aus den Augen. Eine Lehrerin
nach der anderen schließt sich an und bei all den lieben Dingen, die sie
über mich sagen kann ich noch so oft blinzeln – auch ich kann die
Tränen nicht mehr zurückhalten. Sie überreichen mir zwei kleine
selbstgebastelte Heftchen, eines mit sehr bewegenden Sätzen und guten
Wünschen der Lehrerinnen, eines mit Zeichnungen und Sprüchen von meinen
Kleinen. Ich versuche zu lesen, aber mir verschwimmen die Wörter vor den
Augen.
Ich könne eigentlich gar nicht mehr nach Deutschland
zurückgehen, jetzt, wo ich spräche wie eine Tica, tanze wie eine Tica
und ja sowieso - ganz Pura Vida - einfach immer gut drauf sei…
Als wir zum Mittagessen in den Speisesaal gehen kann ich ein wenig
aufatmen und kurzzeitig die Konzentration auf die bunte Torte lenken,
die ich zum Nachtisch mitgebracht habe. Immerhin schaffe ich es, den
kleinen Kylor ein bisschen zum Lächeln zu bringen indem wir gemeinsam
ein paar Fotos machen.
Nach einer langen emotionalen Verabschiedungsrunde begebe ich mich
schließlich schweren Herzens auf den Heimweg.
Zu Hause angekommen zeige ich meiner Gastmama Jeannette die Heftchen mit
den Sprüchen, sie liest und fängt vor lauter Rührung auch noch an zu
Weinen. Als sie mir dann ihrerseits erklärt, wie sehr SIE „ihre Tochter“
vermissen wird, wenn die wieder in Deutschland ist, erkläre ich mich
schnell bereit, uns mal eben einen Kaffee zu machen. Mehr Drama
verkrafte ich nun wirklich nicht an einem Tag.
Mit dem Rest „der Familie“ (Megan und Justin
und die neue Amerikanerin Caroline) machen wir uns also am Nachmittag bei
lustigeren Themen über meine Tres Leches
her (unglaublich leckerer Nachtisch mit Kuchen, der in eine Mischung aus
gezuckerter Kondensmilch, Milchpulver und Milch getaucht ist, mit weißer Creme
obendrauf). Danach einkaufen für die Geburtstagsparty und Verabschiedung von Megan und Justin... (Blogeintrag folgt)