„Jeder lebte schon immer im Paradies, hat es nur nicht gewusst.“ (Janosch)
Natürlich erzähle ich Euch nichts Neues, wenn ich sage, dass eine längere Reise unglaublich prägt. All die äußeren Erlebnisse, Eindrücke, faszinierenden Bekanntschaften, anderen Lebensweisen und Weltansichten erweitern nicht nur ungemein den eigenen Horizont, sie lehren einen auch sehr viel über sich selbst. Und ich gebe Janosch vollkommen Recht darin, dass man viele positive Aspekte des eigenen Zuhause erst dann wertzuschätzen lernt, wenn man sich längere Zeit in der Ferne aufhält und feststellt, dass sie eben nicht selbstverständlich sind.
Gleichzeitig stelle ich fest: wurde man erst einmal vom Reisefieber gepackt, gibt es so schnell kein Entrinnen ;-) People are awesome!
Panama!
Das stand schon etwas länger auf dem Plan. Als ich dann gehört habe,
dass ein paar Freunde aus Sámara nach Bocas del Toro fahren wollen, hab
ich mich kurzerhand angeschlossen. Nach einiger Verwirrung ob des
Abreisedatums (man bekommt in Heredia immer alles etwas verzögert mit
und spontane Änderungen sind ja landestypisch), ist die Sámara-Truppe
schon Montags los und ich wollte Freitag nachkommen (musste ja noch
arbeiten). Zuerst wollten Derico (Tico aus Heredia) und evtl. Callie
(USA) noch mit, aber das hatte sich nach einem Autoschaden erledigt.
Mittwoch hab ich dann erfahren, dass ich doch nicht alleine reise. Jan,
aus Overath Umland (kein Witz!), den ich in der Schule schon ganz kurz
kennengelernt hatte, und Michael (Produzent aus New York), den ich bis
dahin gar nicht kannte, hatten sich von meiner Gastmutter während der
Kochstunde in der Sprachschule überreden lassen mitzukommen.
Wie
ich Donnerstag mitbekommen habe, waren sie bis dato davon ausgegangen,
Bocas sei ein nahegelegener Strand in Costa Rica und wir würden Freitag
nach der Schule fahren. Bei dem Satz "Panama und Treffen um 04:45Uhr morgens vor
der Schule" konnte man förmlich beobachten, wie erst die Augen groß
wurden und dann der Unterkiefer herunterklappte um zuletzt eine Reihe
Aber's hervorzubringen. Überdies löste der Gedanke, einen Tag Schule schwänzen
zu müssen, beinahe Entsetzen aus. Das hatte ich aus meiner Schulzeit
irgendwie anders in Erinnerung.
Letzten
Endes jedoch stand das ungleiche Duo Freitag ein bisl verpennt aber
voller Tatendrang parat, bereit für seine erste Reise. Ich hatte seit
einiger Zeit die Grippe in den Knochen, aber die Hoffnung, ich könnte
sie vielleicht irgendwo unterwegs an der Grenze absetzen. (Wie ihr
mittlerweile wisst, war sie ein äußerst hartnäckiger Passagier, der sich
bei der Rückreise leider in eine handfeste Bronchitis mit Tendenzen zur
Lungenentzündung ausgewachsen hat. Sehr unfreundlich!)
Auf der anderen Seite angekommen wird's komplizierter. Als Ausreisenachweis genügt die ausgedruckte Flugbestätigung für den Rückflug in die Heimat nicht. Man MUSS für 14$ ein Busticket von Changuinola (Panama) zurück nach San José kaufen und dann durch 2 Büros, um den begehrten Einreisestempel zu erhalten. Von dort geht's im Taxibus in einer guten Stunde direkt nach Almirante, wo wir in die Fähre nach Bocas (Isla Colón) steigen.
Tja, und manche Menschen sind vielleicht doch nicht so awesome. Jedenfalls sitzt ganz vorne ein eigentlich südländisch aussehender Typ, der sich nach ein paar Minuten Fahrt ganz offensichtlich über etwas aufregt, auf englisch flucht und ohne Vorwarnung während der (schnellen!) Fahrt im vollgepackten Boot über die anderen Passagiere nach hinten klettert. Das Boot hat ohnehin bereits eine Schräglage, die mich an das Boot im Asterix und Obelix Comic erinnert. Er setzt sich schlichtweg zwischen ein junges Päarchen oder vielmehr auf deren Schoss - Platz hat es nämlich nicht. Die junge Dame beschwert sich auf spanisch und bedeutet ihm gefälligst zurückzukehren. Auf meine Frage nach seinem Problem antworte der Typ doch tatsächlich, die Leute vorne (Fahrer und Freunde/Familie) würden ihn nerven, weil sie die ganze Zeit auf SPANISCH sprächen (er hat ein paar mehr Kraftausdrücke gebraucht). ??? In der Tat: ein Skandal, dass diese Menschen die Frechheit besitzen, in ihrem Land ihre eigene Sprache benutzen! Kaum hatte ich entsprechend geantwortet, befanden wir uns auch schon wieder auf dem Rückweg und der blinde Passagier wurde kurzerhand am Hafen wieder rausgeworfen. Wäre es nach der Besatzung gegangen, hätten wir dafür gar nicht extra zurückfahren müssen...
| nein, nicht unseres! |
| nahe Almirante: ganz schön einfach... und viel Müll |
| mit Schuhen auf dem Bett! Also bitte, Herr Jan! |
Richtig luxuriös im 3er-Zimmer (mit Klimaanlage! was für eine Erfindung!) im Hotel Laguna. Angegebene Zimmerpreise durch zwei teilen, dann kommt man auf realistische Übernachtungspreise. Solange muss man eben handeln.
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| dieses Bild ist irgendwo aus dem Internet geklaut (leider Seite vergessen) - (leider) nicht meins! |
Walking around in Bocas del Toro:
Zuerst haben wir uns mit Chloé getroffen, einer Freundin aus Samara. Marc und Ina waren genau an diesem Morgen schon wieder abgereist. Frechheit! ;-) Ben und Clara sind wir dann im Ort entgegengekommen.
| toter Fisch - der guckt so komisch.... |
| (total) Happy Hour |
Samstag: Tour rund um die Inseln
| Tankstelle |
Bahía de los Delfínes
Nach der Delfintour bekommen wir Taucherbrille und Schnorchel verpasst und haben ganz viel Zeit im Cayo Korallenriff zu schnorcheln. Was für ein Erlebnis! So viele bunte Fische, seltsame bunte, haarige Würmer, Korallen und Gebilde... wie ein Märchenland! Mithilfe eines erfahreneren Tauchers, der eigentlich zu einer anderen Truppe gehörte (ich hab mich einfach untergemogelt), habe ich sogar eine Languste gesehen! Mittagessen und so...
| schlechte Tanzpartner werden kompromisslos ausgemustert... |
| Kobra, übernehmen sie! |
| das muss passen! |
Nachtleben in Bocas... leider keine Fotos, aber die Bars sind unglaublich! Direkt am Meer mit Stegen über dem Wasser, Schaukeln, von denen man ins Wasser abspringen kann (Aqualounge), und versunkenen Schiffen (Barco Hundido)... außerdem eigentlich immer Lady's Night mit Freigetränken.
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| Barco Hundido - irgendwo geklautes Bild ;-) |
| Palmen und Weihnachtsbäume |
Für die letzte Nacht ziehe ich in das wunderschöne, verspielte Hostel Casa Verde, in ein 6er Zimmer mit Ben und Clara und einem bisher unbekannten, sehr netten chilenischen Päarchen. Das obere Bett ist meins und nein, ich habe mir wie durch ein Wunder nicht einmal den Kopf gestoßen.
| wie fast jeden Abend Livemusik im Casa Verde |
Am nächsten Tag trete ich um 6.30 Uhr alleine die Heimreise an. Der Tag beginnt gut. Ich bekomme zwar kein Frühstück, weil alles noch geschlossen ist, aber der Bootsfahrer erzählt mir interessante Geschichten über sein Leben und schenkt mir auf einmal eine besondere Art von Mango: klein, grün, sehr süß, selten und eigentlich vergleichsweise teuer. Am Hafen in Almirante beschreibt er mir den Weg zum Bahnhof und hält zumindest die ersten der extrem aufdringlichen Taxifahrer ab, die einen direkt nach Changuinola fahren wollen. Es sind aber nur 10 Min. Fußweg und das Taxi kostet 7$, der Bus, der allerdings bis unters Dach
vollgepackt ist, nur 1,45$.
Ja genau, von HIER kommen unsere Bananen! Riesige Plantagen in der Nähe
der Grenze. Auf dem Weg
vom Hafen zur Bushaltestelle in Almirante komme ich an der Fabrikhalle und
Chiquita Umladestation vorbei, werde aber ununterbochen von
Einheimischen
belagert, weshalb ich mich nicht traue, die Kamera rauszuholen.
In Changuinola muss ich gute 1,5 Stunden warten. Nicht gerade einer der schönsten Orte. Ich setze mich in ein kleines Soda, trinke Kaffee und esse irgendetwas Undefinierbares mit Reis (was die Einheimischen auch essen), schmeckt aber ganz gut. Mir fällt auf, dass die Panamesen/Panamerer/Panamisten/Panos (wie heißt das eigentlich richtig?) ganz anders aussehen, als die Ticos. Viele Dunkelhäutige und Indios. Hier gibt es kaum Touristen, zumindest keine, die wie ich durch die Stadt schlendern.
Im Bus treffe ich auf eine lustige Gruppe Franzosen und in gefühlten Sekunden sind wir an der Grenze. Dummerweise zur gleichen Zeit mit gefühlt 3 Millionen anderen Menschen. Und Beamte lassen sich wohl nirgends auf der Welt stressen...
Ewigkeiten später sitzen wir wieder im Bus, ein klappriges Ding mit Plastiküberzügen auf den marginal gepolsterten Sitzen. Ich schwitze wie verrückt, huste wie ein alter Kettenraucher und mein Kreislauf meidet zuweilen meine Gesellschaft. Ich kann nicht einmal schlafen. Dann fährt der Bus auf einmal auf ein schlammiges Feld mit Holzschuppen, welcher sich kurze Zeit später als Werkstatt herausstellt. 2 Reifen werden im strömenden Regen getauscht. Was in einer deutschen Werkstatt vielleicht maximal eine halbe Stunde dauern dürfte, braucht hier gerne einmal 1,5 Stunden.
Irgendwann kommen wir dann doch in San José an. Mal wieder irgendwo mitten in der Stadt. Diesmal lassen einem die Taxifahrer kaum die Zeit aus dem Bus auszusteigen. Man wird von allen Seiten angetatscht, mitgezogen und in schlechtem englisch vollgequatscht. Auf spanisch verschaffe ich mir erst einmal Platz zum atmen und um meinen Rucksack aus dem Bus zu holen. Für umgerechnet 8$ will man mich zur Bushaltestelle für die Busse nach Heredia fahren (oder für 30$ direkt nach Heredia). Lachhaft! Ich habe bisher nie mehr als 4$ fürs Taxi bezahlt. Dummerweise sage ich das. Dann kommen tausend Angebote für 4$. Ich frage den Busfahrer wo es zur Bushaltestelle geht. Der hat offensichtlich keine Ahnung, will aber helfen und beschreibt irgendeinen imaginären Weg. Ich steige schließlich in eines der Taxen, will nur noch nach Hause. Der Typ fährt los, schaltet das Taxameter aber nicht ein. Auf mein Protest hin meint er, wir hätten doch 4$ vereinbart. Wir diskutieren eine Weile auf spanisch, aber er weigert sich, die "Maria" einzuschalten. 3mal wiederhole ich noch, dass ich aussteige, wenn er sie nicht einschaltet. Er stellt auf stur und ich steige an der nächsten roten Ampel kurzerhand wieder aus, zwänge mich durch die Autos und LKWs auf der Hauptstraße und stürme in den nächsten Laden, um mich erst einmal wieder zu beruhigen. Der dritte Befragte kann sogar tatsächlich Aukunft geben, wo es zum Bus geht. Und siehe da: dank meiner "Gratisfahrt" sind es nur noch ein paar Meter! Die Fahrt hätte nicht mehr als 3$ kosten dürfen...
Nach insgesamt 12 Stunden bin ich wieder zu Hause. Tja, und die nächsten Tage bekanntermaßen vollkommen out of order.



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