Mit viel Widerwillen hab ich mich Sonntagmorgen, 01.04., von meinem geliebten Strandörtchen Sámara verabschieden müssen. Komisch in die Ferien (hab nun 3 Wochen frei) vom Strand und surfen WEGzufahren.
Mit dem Bus geht es innerhalb von 6 Stunden nach San José, dann nach Heredia. Stadt. Laut. Anstrengend. Es regnet. Meine Mama Tica Jannette empfängt herzlich wie ein verloren gegangenes und wiedergefundenes Kind und versorgt mich sofort mit Essen, kaum dass ich meine Tasche abgestellt habe. Sie eröffnet mir aber auch, dass wir die Osterwoche nicht wie geplant zu Verwandten an den Strand fahren, sondern zu Freunden in die Berge. Und das erst Mittwoch oder Donnerstag, weil sie vorher noch arbeiten müsste. Ich versuche irgendwen in Heredia zu erreichen, aber alle Freunde sind unterwegs. Mir fällt schon nach wenigen Stunden die Decke auf den Kopf und ich beschließe kurzerhand, mich am nächsten morgen früh wieder in den Bus zu setzen und zu den anderen (Yanik und 5 Mädels) nach Quepos/Manuel Antonio zu fahren (4 Stunden). Überraschung!
Die Busfahrt über unterhalte ich mich mit einer älteren Dame, die interessante Geschichte aus dem „alten“ Costa Rica erzählt. Wie sie auf dem Land gelebt haben und zu Pferde unterwegs waren, von Wildkatzen, die es nun nicht mehr gibt und ihrem Ehemann, der im 2. Weltkrieg als Händler den Nazis geholfen hat Ihre Kriegsschätze außer Landes zu schaffen. Sie möchte mich unbedingt ihrer Tochter vorstellen und mich auf einen Kaffee nach Hause einladen. Allerdings wäre das in der kurzen Zeit leider zu knapp – sie wohnt weiter weg und ich muss ja Mittwoch zurück.
In Manuel Antonio sitzen wir alle in einer Bar am Strand, als es auf einmal anfängt, wie aus Eimern zu schütten. Ira, Carolina und ich schauen uns an, grinsen und rennen los. Ins Wasser! Im Meer schwimmen, wenn es wie verrückt regnet und die Sonne langsam untergeht – ein irres Gefühl! Als wir zurückkommen hat der Barkeeper die Musik lauter gedreht und wir tanzen im Bikini im Regen vor der Bar. Ich komme mit 3 Mädels aus Guatemala ins Gespräch, die nachhaltig darauf bestehen, mir einen Tequila und ein Bier auszugeben, weil ich angeblich die einzige ihnen bekannte Europäerin sei, die tanzen könne wie eine Latina. (Das wüsste ich aber! trotzdem sehr lustig)
Die Mädels wollen unbedingt einen Guide haben, um möglichst viel zu sehen. Yanik und mir gefällt die Idee, in einer Traube voller lärmender Touris durch den Park zu schleichen und sich langatmige Erklärungen zu Pflanzengattungen anzuhören, nicht wirklich und wir sparen uns die 15$.
Als gerade keiner schaut, biegen wir in den Weg ab, der eigentlich mit gelbem Absperrband verschlossen ist. Wir fühlen uns wie Eroberer als wir quer durch den Dschungel klettern. Zum Glück gibt es einen Flusslauf als Orientierung – ohne wären wir wohl vollkommen verloren gegangen. Noch lange hören wir die lärmenden Touris, aber irgendwann nur noch die Geräusche des Waldes. Wir klettern die Berge hoch und müssen immer wieder einen neuen Weg suchen, weil der Urwald zu dicht wird.



Wir sehen viele bunte und teils riesige Schmetterlinge, sehr wehrhafte lila-orangene Krebse („Rote Landkrabben“), Leguane und kleine Echsen, Vögel, gigantische Ameisen, komische Insekten und Affen! Ohne Guide fällt die Klassifizierung schwer, aber es müsste sich um Totenkopfaffen, Brüllaffen und Kapuzineräffchen gehandelt haben. Leider funktioniert meine Kamera (bzw. deren Ladekabel) ja nicht und Yanik hat eine 3D-Kamera ohne Reichweite, so dass wir die Affen in den Bäumen oben nicht einfangen konnten. Und dann laufe ich beinahe in ein riesiges Spinnennetz hinein Herzinfarkt!
Irgendwann sind wir wieder auf den eigentlichen Weg zurückgekehrt und haben uns noch die berühmten Strände angeschaut. Der Hauptstrand Playa Espadilla ist voller Ticos und Touristen. Aber wenn man ein wenig weiter geht, kommt man an etwas verlassenere Strände.
Auf dem Rückweg, als kaum noch Besucher im Park sind, laufen uns ohne Vorwarnung eine kleine Gruppe Kapuzineraffen über den Weg. Ich muss mich sehr beherrschen, sie nicht vor lauter Aufregung sofort wieder zu verscheuchen.
Nach 8 Stunden im Park kommen wir wieder am Backpacker Hostel an. Die anderen sind schon seit Stunden zurück und haben mit Guide zwar mehr Pflanzen und Kleintiere, aber keine Affen von Nahem gesehen.
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| müde von der langen Dschungeltour |
Abends lädt Yanik zu sich in sein Penthouse ein.
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| Yolanta |
6 Frauen bekommen in einer hübschen Penthouse-Küche mit Wasserfall im Wohnzimmer und Rundumsicht auf Quepos schon ein göttliches Abendessen gezaubert: Quesadillas mit Hühnchen, Guacamole, frischem Obst und Cocktails nach Iras russischem Rezept (Wodka, Ginger Ale und Gurke).
Als wir später zum Pool gehen, stören wir ein dickes Krötenpaar, das wohl gerade seine Flitterwochen verbringt. Zu schade, dass es für alle am nächsten Morgen schon wieder weiter geht.
Ich fahre von Manuel Antonio nach San Jose und von dort direkt nach San Carlos (fast 8 Stunden Reise insgesamt, meist in sehr engen, heißen Bussen – puh), wo ich mich mit meiner Mama Tica treffe, um die nächsten Tage in den Bergen zu verbringen.
Das erste Mal in Costa Rica habe ich ein wenig Angst. Der Herr im Bus neben mir hatte mich schon gewarnt: in SJ nicht zu Fuß rumlaufen und immer aufpassen, SJ sei gefährlich. Es gibt keinen einheitlichen Busbahnhof, sondern nur unzählige kleine, über die ganze Stadt verteilte. Vollends verwirrend. Ich sitze also in dem Taxi, das mich von einem „Bahnhof“ in San Jose zum anderen bringen soll. Als wir an einer Ampel stehen, zielt der Taxifahrer mit seiner Hand wie mit einer Pistole auf die vorbeilaufenden Menschen und „drückt ab“, lacht dabei und fragt, ob ich schießen könne. Das wäre sein Lieblingshobby - und ob ich Angst hätte. Ich war selbst überrascht, dass ich nach außen vollkommen unbeeindruckt geblieben bin, als ich schulterzuckend verneint habe. Als wäre es eine ganz normale Konversation habe ich ihm erzählt, dass ich ein paar Jahre Bogenschießen gemacht habe. Um die Stimmung aufzulockern, habe ich auf einen Hund in Kleidchen am Straßenrand gezeigt und gelacht. Fehler. Er teilt mir mit, er habe 2 Hunde, die wie seine Babys seien und natürlich auch Kleidung tragen würden (Kleid für die Hündin, Hose und Hemd für den Rüden). Oh man. Ich kann mich des unguten Gefühls nicht erwehren, dass der Typ mich überall hinbringen könnte und stelle fest, dass ich die Marke des Taxifahrers, die sonst auf dem Armaturenbrett klebt, nicht finde. Auf das Taxilicht und die „Maria“ (Kilometerzähler) hatte ich geachtet… ich frage ihn, wie weit es noch sei. 700m. Aufatmen. Und dann: 20$ (10.000 Colones) soll die Fahrt kosten! Ich schaue ihn verständnislos an. Nein, er scherzt nicht. Die Maria ist irgendwie auch ausgeschaltet. Ich teile ihm nachdrücklich mit, dass ich in keinem Falle mehr als 2.000 Colones bezahlen werde. Wir diskutieren eine Weile. Zum Glück ist der Verkehr dicht und wir kommen nur langsam voran. Die Straßen sind voller Polizisten (Osterwoche). Als ich die Tür öffne und auf einen Beamten deute, nimmt der Taxifahrer meine 2.000 Colones an und ich sprinte aus dem Taxi. Mit zittrigen Knien stehe ich am Schalter, um mir mein Busticket zu kaufen. Auf nach San Carlos.