Gut, dass Spontanität in Costa Rica kein Hindernis für die allgemeine Aktivitätenplanung darstellt. Nach anfänglichen Koordinationsschwierigkeiten, Unentschlossenheit und Verwirrung ob reichlicher Alternativveranstaltungen hat sich für das vorletzte Wochenende ein nettes Grüppchen von 8 Leuten zusammengefunden, um sich auf eine ganz besondere Mission zu begeben: dem Rätsel des türkisblauen Flusses (Rio Celeste) sprichwörtlich auf den Grund zu gehen.
Mehr oder weniger pünktlich trifft die Meute Samstag früh um 6 Uhr in der Schule ein. Während der 3 Stunden Fahrt nach Bijagua ist es verdächtig ruhig – beinahe alle schlafen. Kurz vor Ankunft in unserer Unterkunft „La Carolina Lodge“ will uns unser Fahrer Daniel noch etwas ganz besonderes zeigen. Wir befinden uns recht genau zwischen den Vulkanen Tenorio und Miravalles auf der Carretera 6, kurz hinter der Einfahrt zur Lodge, als er plötzlich mitten auf der Straße das Warnblinklicht ein- und den Motor ausschaltet. Und auf einmal geschieht ein Wunder! Der Wagen ROLLT den Berg HINAUF! Allen verschlägt es den Atem. Ich bin dafür, dass wir es auch noch einmal andersherum versuchen. Wir fahren also weiter, drehen und stellen den Motor wieder ab, als wir in der Senke angelangt sind. Nun rollt der Wagen RÜCKWÄRTS den Berg HINAUF! Vor einiger Zeit hat sich eine Gruppe Geologen mit dem Phänomen befasst, aber keine klare Antwort gefunden. Es hat wohl irgendetwas mit den Vulkanen und magnetischen oder sonstigen Kräften zu tun. Leider hab ich auf die Schnelle auch keine weiteren Informationen aus Google herausholen können. Egal, ein Wunder eben!
Daniel will uns übrigens nicht glauben, dass wir den Volcan Concepcion bestiegen haben, weil das doch gar nicht möglich sei…
Wir fahren weiter über eine unglaublich ‚gut ausgebaute‘ Straße - schlafen geht überhaupt nicht mehr und man hat das Gefühl, wenn es weiter so holpert, fällt der Wagen auseinander. Aber ganz ehrlich, irgendwie ruft genau das dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer hervor, das einen in Costa Rica immer wieder überfällt. Wie müssen sich erst die Spanier gefühlt haben, als sie im 16. Jahrhundert genau hier auf ihren Pferden in den Sonnenuntergang geritten sind. Hoffen wir mal, dass der zunehmende Tourismus keine allzu baldige Asphaltierung der Schotterwege zur Folge hat.
Mitten im Dschungel taucht ein kleines Paradies auf: La Carolina Lodge. Eine liebevoll geführte, wunderschöne Unterkunft mit Jacuzzi direkt am Fluss, großem Garten voller bunter Blumen und Vögel, vielen Kerzen und Essen, das auf einem mit Holz befeuerten Ofen gekocht wird. (Am Abend bekommen wir das definitiv beste Hühnchen, das ich in meinem je Leben gegessen habe!)
Nachdem uns die Besitzer (ein junges amerikanisches Paar) herzlich mit Kaffee und selbstgemachter Limonade begrüßt haben, beziehen wir unser fantastisches Haus (!), welches ca. 10 Minuten Fußweg entfernt auf einer Wiese am Rand des Dschungels steht.
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| unser Haus |
Auf der anschließenden kleinen Wanderung quer durch die wunderschöne Landschaft begegnen wir ein paar (zum Glück) tiefenentspannten Bullen und Vögeln.

Nachmittags schlägt die Stunde der Wahrheit: horseback riding. Keiner von uns hat auch nur einen blassen Schimmer, was er zu tun hat. Immerhin schaffen wir es alle mehr oder weniger elegant auf die Pferde – erste Hürde genommen. Allen anderen wird versichert, dass es sich um ganz ruhige, gemütliche Pferde handelt. Nur bei meinem grinst der „Vorreiter“ recht verdächtig, als er uns einander vorstellt: „Happy“ sei – wer hätte das gedacht – ein eher „fröhliches Tier“. Nun denn…

Zu unserer Verwunderung laufen die Tierchen ganz von alleine los. Nur mit dem bremsen klappt es irgendwie nicht so richtig. Man beobachtet angestrengte Gesichter bei dem vergeblichen Versuch mit „brrr“ und hilflosem an-den-Zügeln-ziehen die immer wieder losgaloppierenden Vierbeiner zum langsameren Gehen zu bewegen. Immerhin geht es sprichwörtlich über Stock und Stein und man hat immer wieder das Gefühl gleich kopfüber mit dem Tier den Berg herunterzurollen. Das liegt vielleicht auch daran, dass Happy seinem Namen alle Ehre macht und sich, sobald möglich, an den anderen vorbei schummelt, eine Schwäche für unangekündigte Sprints besitzt und gerne einfach mal neben dem eigentlichen Weg läuft (glaubt mir, ich habe durchaus versucht, es wieder auf den Weg zurückzulenken!). Was am Ende bleibt ist eine lustige Erfahrung, eine ordentliche Portion Respekt vor diesen sportlichen Tierchen - und ein (gefühlt) blauer Hintern.

Kaum zurück sprinten alle in den wunderbar kalten Fluss direkt an der Lodge. Reiten ist doch deutlich anstrengender, als wir angenommen haben – und knapp 30°C und enorme Luftfeuchtigkeit leisten ihr Übriges.


Nach einem traumhaften Abendessen und dem ein oder anderen Digestif werden wir höflich gebeten, entweder leiser zu sein oder zu unserem Haus zu gehen, wo wir so laut sein könnten, wie wir wollten. Andere Gäste, die im Hauptgebäude untergebracht sind, wollten schlafen. Wir packen unsere Getränke ein und ziehen um – in den Jacuzzi am Fluss. Der ist zwar genau auf der anderen Seite des Schlafraumes, aber wir nehmen uns ernsthaft vor, leiser zu sein. Das Wasser des Jacuzzi läuft durch ein Rohr, das um einen Feuerbottich gewunden ist, und wird somit erhitzt. Welch Wohltat, dass man - beinahe gar gekocht - zwischendurch in das kalte Flusswasser springen kann.
Als wir zu unserem Haus zurückkehren, begrüßen uns riesige Glühwürmchen! Faszinierend!
Am nächsten Tag brechen wir zum Parque Nacional Volcán Tenorio auf. Einen Guide haben wir aufgrund der kurzfristigen Planung nicht. Gut so. Ein Schild am Eingang des Nationalparks warnt vor zahlreichen giftigen bis sehr giftigen Schlangen und rät, bloß ‚nicht vom rechten Wege abzukommen‘. Auf geht’s!
Nach einem kleinen Hike durch den matschige Wald stoßen wir auf die Stelle, an der zwei Flüsse ineinanderfließen und durch eine chemische Reaktion von Schwefel und Kalziumkarbonat (Produkte des Vulkan Tenorio) die türkisblaue Färbung hervorrufen, die dem vereinten Rio Celeste ihren Namen gegeben hat. Beschreiben lässt sich das nicht. Man kann es nur mit offenem Mund bestaunen!
(letzterer ist auf das atemberaubende Naturschauspiel zurückzuführen, nicht, na sagen wir: kaum, auf den doch recht präsenten Schwefelgeruch).
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| aufsteigende Gase lassen das Wasser sprudeln |
„Die Einheimischen erzählen sich die Sage, dass der Schöpfer, als er die Erde erschaffen habe und mit dem Himmel fertig gewesen sei, im Río Celeste seinen Pinsel ausgewaschen habe.“

"Kaaathi, Du Spielkind, komm schon!"

Unserem Busfahrer nach sollten wir in einer Gruppe zusammenbleiben. Da die Hälfte der Truppe aber nicht die komplette Tour gehen will, ziehen wir zu viert weiter und entfernen uns von den omnipräsenten, nervigen Naturpaparazzi. An einer Stelle ist der Fluss so schön und so touristenfrei, dass wir doch mal kurz den Dschungel abseits des Weges durchqueren müssen, um ans Wasser zu gelangen – natürlich volle Aufmerksamkeit auf alles gerichtet, was durchs Dickicht kreucht und fleucht.

Am Ende gelangen wir an die Agua Termales (natürliche, heiße Quellen an kaltem Fluss), schwimmen im türkisblauen Wasser und waschen uns den Schlamm von den Beinen. Herrlich!

Lediglich die Jeans ist über nassen Badesachen nur noch halb so bequem. Auf dem Rückweg biegen wir zu dem berühmten Wasserfall ab. Bilder können die Schönheit nicht im Entferntesten widerspiegeln!


Als wir am Ende noch zu dritt (zwei aus den Staaten, ich) irgendwann wieder am Parkplatz anlangen, treffen wir alle anderen wie erschlagen im Bus sitzend und liegend vor. Sie machen fast gar keinen Stress, endlich loszufahren, um was zu essen, und auch ich merke, dass mir mein Magen in den Knien hängt. Ich gehe mich trotzdem schnell trocken anziehen und genau in der Zeit verschwinden irgendwie die beiden Amis. Ich finde sie nach einiger Zeit in dem Restaurant am Parkeingang mit Getränken am Tisch sitzend, die Bestellung schon aufgegeben. Nur schwer kann ich ihnen begreiflich machen, dass ALLE Hunger haben, mit beängstigend wenig Geduld nur noch auf sie warten und nicht in dem total überteuerten Parkrestaurant essen wollen. Sie stehen einfach vom Tisch auf, gehen zum Bus und wollen losfahren. Ich habe kaum Zeit, sie reichlich verständnislos anzustarren, als auch schon der Küchenchef aufgebracht hinter beiden herrennt. Das Essen ist bereits fertig. Immerhin einigen sie sich auf „einpacken, bezahlen, mitnehmen“ und die Gemüter beruhigen sich.
Wie ausgehungert stürzen sich alle auf das Essen in einem kleine „Soda“ (Imbiss), ich bekomme noch einen „Café a llevar“ und heim geht’s.
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| costarican coffe to go! ;-) |
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| La Bomba - nicht ganz offensichtliche Tankstelle |
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| hat ein Polizist (!) für einen unserer Studenten gebastelt! (kein Wunder, dass die Drogenhändler hier so gute Geschäfte machen, wenn die Talente der Polizisten offenbar ganz woanders liegen!) |