Donnerstag, 26. Juli 2012

Tortuguero – passionierte Geburtshelfer

Regenzeit. Das merkt man nun so langsam eben doch. Kaum steigen wir in La Pavona aus dem Bus aus, gießt es in Strömen. Besonders schön: wir verpassen gleich beide Boote nach Tortuguero. Wir stehen sozusagen doppelt ‚im Regen‘, weil uns kein Mensch sagen kann, wann und ob überhaupt noch ein Boot rüberfährt.  Macht aber nichts. Pura Vida! Immerhin hat es ein Restaurant an der Anlegestelle (mehr allerdings auch nicht im Umkreis von 1 Stunde). Und Imperial. 
Irgendwann kommt aber doch ein Boot und eigentlich ist die Kulisse (1,5 Stunden auf einem Fluss durch den Urwald) gerade im Regen ganz besonders faszinierend.

Schon im Bus zur Anlegestelle wurden wir von einem aufdringlichen Tico-Guide angequatscht. Er sei der einzige englischsprachige Guide der Insel und wo wir denn unterkommen würden. Wir nennen ihm den Namen des Hostels und er meint, wir hätten keine Reservierung. Er hätte mit den Besitzern gesprochen. Aber er wüsste eine andere gute Unterkunft. Auf Spanisch erzähle ich ihm freundlich, dass ich das für Blödsinn halte (ich hatte vorher mit den Besitzern telefoniert) und wir kein Kindermädchen bräuchten, wir wüssten wo lang! Natürlich haben die Cabinas Tortuguero die Reservierung vorliegen. Ein wunderschönes Hostel (10$/Person) mit Garten und Hängematten und sehr freundlichem Personal. Kaffee gibt es den ganzen Tag umsonst und für 6$ ein spitzenmäßiges Frühstück, das - so üppig - gleichzeitig Mittagessen ist. 
Poolparty!!!
Am Ankunftstag gehen wir jedoch erst einmal in das Restaurant von Eduardo, dem Tourguide vom letzten Mal. Der freut sich riesig über Besuch von seiner „amiga“ und fällt mir gleich um den Hals. 
Wir bekommen ordentlich Discount auf die eigentlich Fixpreis-Touren (Kanutour durch die Kanäle, nachts-Schildkröten-beim-Eier-ablegen-beobachten und Froschtour) und Eduardo tauscht sogar heimlich seine Gruppe (uns) mit der seines Schwagers, damit wir auch definitiv Schildkröten sehen. Damit nicht alle Touris kreuz und quer am Strand entlangflitzen und die Tierchen beim Eier ablegen stören, werden nämlich Strandabschnitte definiert und jeden Nachmittag ausgelost, welcher Guide welchen Abschnitt bekommt, an den er seine Gruppe gezielt führt, wenn ein Ranger eine Schildkröte entdeckt hat. Dabei gibt es gute und schlechte Abschnitte. Eduardo hatte einen schlechten, sein Schwager einen guten.
So gut! Ich fass mich kurz, weil man dieses Naturschauspiel ERLEBT haben muss – Worte können niemals beschreiben, was für ein Gefühl es ist, eine 1,5m riesige Schildkröte dabei zu beobachten, wie sie erst als schwarzer Schatten aus dem Meer auftaucht und dann in aller Sorgfalt ihr Nestchen baut, um unter hörbarer Anstrengung (sie schnauft!) über hundert Eier zu legen, sie zu vergraben und auch noch zu verstecken. Während der Eiablage selbst darf man näher heran, dann befindet sich das fast mystische Wesen in Trance und nimmt uns nicht einmal wahr. Diesen Geburtsvorgang hautnah mitzuerleben bewegt alle. Als wir dann auch noch erfahren, dass die Mutter niemals zurückkehrt und sich die kleinen Schildkrötchen einmal geschlüpft allein zum Wasser kämpfen müssen, wird Din so von ihren Muttergefühlen überwältigt, dass sie kurz davor ist, die Wochen bis zum Schlüpfen neben dem Nest zu verharren und jedes Baby einzeln bis zum Meer zu tragen. Immerhin glaubt sie uns, dass sie, nein wirklich, nicht beim Brüten helfen muss.
Fotos darf man bei der ganzen Sache keine machen, um die werdenden Mütter nicht zu stören.

Am nächsten Morgen paddeln wir mit Eduardo quer durch die Kanäle, sehen eigenartige und schöne Vögel, Affen, riesige Schmetterlinge, einen Kaiman und unzählige beeindruckende Bäume und undefinierbare Pflanzen.
Zurück auf festem Boden besuchen wir meinen kleinen Freund, den 7-Farbenfrosch (Rotaugenlaubfrosch). Vielleicht erinnert Ihr Euch an unsere erste Begegnung… Durch die Saugnäpchen an den Füßen ist das Tierchen gar nicht so leicht wieder aus dem Gesicht abzuziehen. Ich habe mich diesmal also aufs Filmen und Fotografieren beschränkt. Zunächst ein bisl skeptisch konnten die Mädels den niedlichen Annäherungsversuchen des possierlichen Fröschleins letztlich doch nicht widerstehen.
ganz erschöpft, der Kleine
Frosch"versammlung" am Abend. Wir haben hier fototechnisch mal fleißig zensiert. Schließlich schauen sich ja auch Kinder den Blog an... auf Anfrage gibt es die volle schockierende Wahrheit darüber, was Frösche am späten Abend in ihren Tümpeln so treiben.

Mit vielen vielen Eindrücken geht es am Nachmittag nach Heredia zurück. Nicaragua, mach Dich bereit!

genau, hier kommen die Chiquita-Bananen her

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