Donnerstag, 26. April 2012

da war doch noch was: Semana Santa (Ostern) in den Bergen bei San Carlos

Den folgenden Bericht hab ich schon etwas länger fertig (offline geschrieben), aber irgendwie vergessen... Hier also meine Ostertage im Anschluss an Manuel Antonio:

Nach meiner unangenehmen Taxierfahrung hatte ich nun noch 2,5 Stunden Busfahrt nach San Carlos vor mir. Meine Beine sind definitiv zu lang für Ticobusse. Was ein Glück, dass sich meine Mama Tica Jannette kurzfristig entschließt, mich mit einem Freund und seinem Auto an der Bushaltestelle in San Carlos abzuholen. So spare ich eine weitere halbe Stunde Busfahrt raus aufs Land. Nach für mich insgesamt 8 Stunden Reise kommen wir an der Finca von Jannettes Freunden an.
Ich werde herzlich empfangen mit leckerem Essen, das auf dem Feuer gekocht wurde und mit einem landestypischen „Trago“ (Drink): Rum mit Eis, Limonensaft und Limonade. Nur unter Ticos in einem ganz einfachen Bauernhaus (kein richtiger Fußboden, alles offen und ein bisl durcheinander) bekommt man noch ein besseres Gefühl für ‚Pura Vida‘.

Louis macht die Setzlinge fertig
Es wird sehr viel gelacht. „Tscheppe“, einen 74-jährigen Komiker, dem vorne 2 Zähne fehlen, der aber fitter und sportlicher ist, als alle anderen zusammen und tolle Geschichten über das „alte“ Costa Rica erzählt, habe ich sofort ins Herz geschlossen.

meine ersten Tortillas!
Jannette und Tscheppe berichten, wie sie im Bus angereist sind: 2 Hähne in einer Plastiktüte im Schlepptau – lebend! Als er dann noch eben etwas einkaufen wollte, hat Jannette vor dem Supermarkt gewartet. Auf einmal fing einer der Hähne wild das Krähen an und eine Passantin meinte leicht genervt zu Jannette, sie solle doch endlich mal an ihr Handy rangehen. Das war für die nächsten Tage der Running Gag. Vor lauter Aufregung um die Tiere hat Tscheppe auch noch seinen Koffer am Bahnhof vergessen und musste die Unterhosen seines Freundes tragen – was für jede Menge weitere Lacher gesorgt hat. Zum Glück befand sich jedoch sein Portemonnaie - und der Rum! – in der Tasche, die er nicht aus der Hand gegeben hat.
Dormilonas - schließen sich bei Berührung

Am nächsten Tag geht es in den Dschungel zum Fluss. Von hier läuft das Wasser über ein Rohr (ohne Pumpe!) viele Meter den Berg hoch zum Haus. Ich schiebe das mal auf meine fehlenden Spanischkenntnisse, dass ich nicht wirklich verstanden habe, wie das funktionieren kann. Der Wasserdruck ist jedenfalls – zumindest in der Trockenzeit – nicht er Rede wert.
Tscheppe (mit Hut) und seine Jungs




Viel spannender: auf dem Weg zum Fluss haben wir Puma-Fußspuren im Matsch entdeckt!!! Ich wollte mich gerade mit meinen Gummistiefeln auf die Suche machen, da bekomme ich nachhaltig eingebläut, bloß vorsichtig zu sein. Weniger allerdings wegen des Pumas, den ich leider nicht gefunden habe, als vielmehr wegen der hochgiftigen Culebras (Nattern), die sich gerne am Flussufer aufhalten und aussehen wie Baumwurzeln. Ein bisschen unheimlich wird es einem dann schon, wenn die Ticos selbst ganz schön auf der Hut sind und nicht müde werden, immer und immer wieder zu betonen, dass ich mich nicht mit den Händen am Ufer abstützen soll. Gar nicht so leicht mit zu großen Gummistiefeln über matschigen Untergrund zu balancieren und nicht doch aus Reflex nach Wurzeln, Ästen u.ä. zu greifen.
ähm, ja - was man NICHT sieht: da hinten geht es tief runter (also bestimmt 3 Meter)
Was ich dann aber doch entdeckt habe: wunderschöne rote Fröschlein. Giftig sind übrigens nur die mit den blauen Beinen, nicht die mit den schwarzen. Man muss allerdings schon ganz schön nah heranrücken, um den einen von dem anderen unterscheiden zu können…
ich möchte mich noch einmal offiziell entschuldigen:
ich wollte euch zwei wirklich nicht bei euren zaghaften Annäherungsversuchen stören!
sooo klein

- ohne Worte -
mit Kind und Kegel (oder in Costa Rica: Machete)

Das Krokodil, was angeblich in dem nahegelegenen See lebt, haben wir nicht gefunden. Dafür hab ich das erste Mal eine kleine Gruppe Papageien gesehen. Ich dachte immer, dass seien mehr so Einzelkämpfer…

Unglaublich, wie viele neue Früchte und Gemüsearten (manzana de agua, guyaba, guanabana, pejiballe, mangoestán, naranjilla …) ich kennengelernt habe. Immer wieder hat Elli etwas Neues angeschleppt, damit ich probiere. Oder wir haben Früchte von Bäumen gepflückt.
Und alle haben gespannt auf meine Reaktion gewartet. Hohen Unterhaltungswert hatte Caimita (star apple oder vú sữa in Vietnam, was so viel heißt wie Muttermilch…). Ich muss reichlich dumm geschaut haben, als auf einmal meine Lippen angefangen haben zu kribbeln und aneinander zu kleben. Die weiße Flüssigkeit in der Frucht hat ähnliche Eigenschaften wie Leim – abgesehen vom Geschmack, der ist top. Aber man kann sie abrubbeln, wenn sie ein wenig getrocknet ist.


Caimita

Und wie verbringt man einen entspannten Nachmittag? Natürlich im hauseigenen Pool mit Cocktails und Snacks ;-)


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