Das Zentrum ist ein Hort für Kinder deren Eltern arbeiten. Zu Beginn war es nur für wohlhabendere Familien gedacht, was sich wirtschaftlich aber nicht ganz rentiert hat. Im Rahmen eines Sozialprojektes der Präsidentin Chinchilla wird nun die Aufnahme ärmerer Kinder finanziell gefördert.
So haben wir z.B. einen sehr intelligenten 6jährigen, deren Familie kein Geld hat, um Schulbücher zu kaufen. Im Hort werden ihm die jeweils wichtigen Seiten aus Büchern der Mitschüler kopiert.
Den ersten Tag habe ich mit den ganz Kleinen (2 Monate bis 3 Jahre alt) verbracht. Die sind wirklich zuckersüß! Allerdings habe ich mich gefragt, wie ich den kleinen Mäusen englisch beibringen soll, wenn die gerade einmal ein paar Brocken spanisch sprechen... Und ich habe schnell festgestellt, dass man aufpassen muss, was man denen so zeigt. Mit Adrian (2J.) habe ich Bauklötze-verstecken gespielt und ihm einen ins T-Shirt gesteckt. Das fanden er und noch 2 weitere Kinder so lustig, dass sie sich gegenseitig den ganzen Tag alles, was sie finden konnten, oben in den Kragen gesteckt haben. Spätestens beim Mittagsessen mit roten Bohnen fanden die anderen "teacher" (so nennen uns die Kinder) das gar nicht mehr komisch.
Seit Mittwoch bin ich in der Gruppe mit etwas älteren Kindern (5-10 Jahre). Wir lernen Zahlen und Tiere und was immer mir noch so einfällt (Vorgaben, Tips und Materialien gibt es keine). Die andere Lehrerin ist im gleichen Raum mit anderen Kindern beschäftigt. Während des Lernens malt sich ein Junge aus Versehen den Fingernagel an. Offensichtlich hab ich dem zu viel Aufmerksamkeit geschenkt ("hahaha - que hizo?! - was hast DU denn gemacht?"), so dass er auf einmal anfing, sich weitere Fingernägel orange anzumalen, nicht ohne mich dabei erwartungsvoll grinsend anzuschauen. Und die Händchen dann den anderen zu zeigen ("mira, soy una mujer!- guck mal, ich bin eine Frau"). Ich konnte nicht anders und musste lachen. Am Ende hatte er alle Fingernägel (und den größten Teil der Finger) orange, ein anderer Junge seine lila und einer schwarz. Die andere Lehrerin hat die Begeisterung der Kleinen nicht vollends geteilt, mich (Unschuldsmiene) aber wirklich nur ganz kurz vorwurfsvoll angeschaut.
Ganz schön improvisieren muss man, wenn man, wie ich Freitag, verschiedene Altersgruppen und somit Wissensstände hat. Also zuerst die Großen (9J.) beschäftigen (Bericht auf englisch über einen typischen Tagesablauf schreiben lassen) und dann mit den Kleinen Zahlenlieder singen sowie Kreise malen und zählen. 2 können jetzt auf englisch bis ca. 6 zählen - auf spanisch kaum bis 3. Danach Stadt, Land, Fluss (bzw. Tiere/Pflanzen, Farben, Dinge im Haus, Namen): die beiden Großen einzeln mit englischen Begriffen und die 4 Kleinen im Team mit mir auf spanisch. Wie stolz alle sind, wenn sie "teacher Kathi" etwas beibringen können :-)
Und dann Montagsmaler: ich male und die Kinder raten in 2 gegnerischen Gruppen (Punkte gibt es nur, wenn sie es im Team auf englisch und spanisch wissen).
Wenn ihr weitere Ideen habt: immer her damit!!! Ich bin für jeden Tip dankbar, wie man die Rasselbande bei Laune hält!
| Samuel - sooo süß! (seine Mutter ist taub und er spricht sehr wenig, aber mit viel Geduld klappt das schon) |
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